Köln – Interreligiöser Dialog – Akademische Angebote

9. September 2019 Newsdesk/sam

Köln. Eine Theologie „der Aufnahme und des Dialogs“ – dies forderte Papst Franziskus in einer Rede am 21. Juni 2019 in Neapel. Der diesjährige Empfang der Bistümer in Nordrhein-Westfalen für die Partner im christlich-islamischen Dialog am 7. September im Kölner Maternushaus, griff die Forderung des Heiligen Vaters auf.

Bei dem Empfang mit dem Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser sowie dem Islam-Experten Prof. Dr. Thomas Lemmen, wurden unter der Leitfrage: Welchen Beitrag leisten wir zur Förderung des interreligiösen Dialogs? Studienangebote und Initiativen des christlich-islamischen Dialogs im akademischen Bereich vorgestellt.

Die geladenen Gäste wurden, nach einem musikalischen Einstieg der Jazz-Formation Ufermann, von Weihbischof Rolf Steinhäuser, der Sprecherin des Koordinationsrates der Muslime Nurhan Soykan, Pfarrer Ralf Lange-Sonntag von der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie von Dunya Elemenler von der Christlich-Islamischen Gesellschaft begrüßt.

„Wir stehen zum Dialog!“

Weihbischof Steinhäuser machte seine Sorge darüber deutlich, dass Kommunikation sich mehr und mehr auf Menschen reduziere, die dasselbe dächten und sagten, wie man selbst. Es sei darum gut, sich die Worte von Papst Franziskus in Erinnerungen zu rufen. Dieser hatte in Neapel eine Theologie „der Aufnahme und des Dialogs“ gefordert und bereits am 20. September 2016 in Assisi gesagt: „ Nichts ist verloren, wenn man wirklich den Dialog praktiziert.“ Ganz in diesem Sinne schloss Steinhäuser seine Begrüßung mit der Versicherung: „Für das Erzbistum Köln darf ich sagen: ‚Wir stehen zum Dialog!‘“ Nurhan Soykan forderte in ihrer Begrüßungsrede, die theologischen Gemeinsamkeiten von Islam und Christentum in den Vordergrund zu stellen. Religiosität würde in der hiesigen Gesellschaft immer unattraktiver. Die Folge sei der Verfall der moralischen Werte. Die Diskussion über das Kopftuch sei sie leid, vielmehr müssten die Themenfelder, wie Altersarmut, Drogen- und Alkoholabhängigkeit von Jugendlichen und die Sorge um die Umwelt gemeinsam angegangen werden. Pfarrer Ralf Lange-Sonntag wünschte sich für den christlich-islamischen Dialog „Vertrauen und Irritation“ und Dunya Elemenler mehr Dialog auf lokaler Ebene verbunden mit der Bereitschaft zum „Zuhören“.

Projekte und Studiengänge zum christlich-islamischen Dialog

Unter der Moderation von Prof. Thomas Lemmen wurden am späten Nachmittag die verschiedenen Projekte aus dem Bereich des „Christlich-islamischen Dialogs“ vorgestellt. So präsentierten Prof. Joachim Windolph von der Katholischen Fachhochschule Köln (KatHO Köln) und Hanife Tosun als Studierende den Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“ des Erzbistums Köln und der KatHO. Außerdem lernten die Teilnehmenden den Studienschwerpunkt „Mission, Kulturen und Religionen“ an der PTH St. Augustin kennen sowie den Masterstudiengang „Interreligiöse Studien“ an der Universität Bonn. Frau Prof. Dr. Karla Verlinden stellte außerdem das Studienangebot „Ready Steady Go“ vor, welches geflüchteten Studierenden aus Syrien ermöglicht, an Lehrveranstaltungen an der KatHO Köln teilzunehmen. Raphale Zikesch wiederum brachte den Gästen das interreligiöse und interdisziplinäre „Ethiknetzwerk Christentum und Islam“ näher, welches sich vor allem mit sozial-ethischen Fragen beschäftigt. Großes Interesse weckte auch der Dialogbegleiterkurs, der die Qualifizierung und Ausbildung von jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren für den christlich-islamischen Dialog zum Ziel hat. Bei einem „Info-Forum“ im Foyer des Maternushauses konnten die Gäste bei Ständen der unterschiedlichen Institutionen nähere Informationen zu den Projekten einholen und ins Gespräch kommen.

Mit einem weiteren Auftritt der Band Ufermann, die mit der marokkanischen Sängerin Hayat Chaoui das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ in der deutschen und der arabischen Version zum Besten gaben sowie einem Geistlichen Impuls von Weihbischof Steinhäuser und Ahmad Aweimer vom Zentralrat der Muslime in Deutschland ging der Tag zu Ende.