Erzbistum Köln – „Mensch.Demenz.Kirche.“ endet – Austausch und Workshops

11. Juli 2019 Newsdesk/mac

Köln. "Alles andere habe ich herausgeschmeckt, nur hier bin ich mir nicht sicher", sagt Ulrike Ulrich während des 3-Gänge-Menüs zu ihrer Kollegin. Es schmeckt nach Roter Bete mit Champignons. Endgültige Klarheit bringt die Kellnerin: "Es ist ein Brei aus Champignons und Blutwurst.“ Ulrike Ulrich aus Essen-Kettwig ist eine von 60 Teilnehmenden beim Abschluss des Projekts „ Mensch.Demenz.Kirche.“. Drei Jahre lang förderte das Projekt einerseits ein Bewusstsein für Menschen mit Demenzerkrankung, denn trotz der Demenz bleiben sie weiterhin Gemeindemitglieder. Andererseits war es wichtig, sich theologisch mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen.

„Verkosten mit Leib und Seele“ war das Motto des Abschlusstages

Das 3-Gänge-Menü passt zum Motto des Abschlusstages: „Verkosten mit Leib und Seele“. Dabei kommen viele im Gespräch auf die Fishbowl-Diskussion zurück, mit der die Moderatorin Melanie Wielens den Tag eröffnet hatte. In diesem Format besteht das Podium aus drei festen Gesprächspartnern, zu dem wechselnde Gäste hinzukommen können. Aber auch die anderen Teilnehmenden waren eingeladen, sich zu Wort zu melden, denn die Fishbowl lebt von Beteiligung. Das Eis ist schnell gebrochen. Karin S. aus Porz-Elsdorf teilt die Erfahrungen mit ihrer an Demenz erkrankten Freundin. Manchmal sei sie „ zornig, weil ich nicht verstehe, warum Gott so etwas zulässt. Hat er uns nicht ein Leben in Fülle zugesagt?“ Darauf gebe es keine wasserdichte Antwort, meinte Markus Roentgen aus dem Referat Geistliches Leben und Exerzitien im Erzbistum Köln. Es sei stark, dass „ Sie den Weg mit Ihrer Freundin bis zum Ende gehen und Seiten an ihr entdecken, die Sie vorher vielleicht nicht kannten“ .

Haltungsänderungen auf unterschiedlichen Ebenen bewirken

Wichtig sei „eine Haltungsänderung auf allen Ebenen zu bewirken“, sagt Ute Aldenhoff, Referentin in der Erwachsenenseelsorge. Diese sei in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen vor Ort und mit einer Vielfalt von Ideen gelungen. „Wir haben schnell erkannt, dass weitere Ziele, die eine gesamtgesellschaftliche Wirkung beinhalten, nicht allein mit der Durchführung eines Projektes erreicht werden können", sagt Aldenhoff. Dennoch habe man sich an solchen Zielen orientiert und überlegt, welche Schritte nötig seien, um die größtmögliche Wirkung auf den je unterschiedlichen Ebenen zu erreichen.

 

Gemeindereferentin Ulrike Ulrich aus Essen-Kettwig gibt der Moderatorin Melanie Wielens und Elmar Trapp Einblick in ihre Arbeit in der Pfarrei St. Peter und Laurentius (c) Erzbistum Köln/Chrobok

 

Ulrike Ulrich ist aus der Gemeinde St. Paul und Laurentius in Essen-Kettwig gekommen. Seit 2011 engagiert sie sich im „Netzwerk Demenz“. Demenz spiele eher im Altenheim als in der Gemeinde eine Rolle. Ulrich lässt sich davon aber nicht entmutigen: „Seit fünf Jahren haben wir auf unserem Pfarrfest einen kleinen Stand vom „Netzwerk Demenz“ und sind für jeden ansprechbar.“ Es fange im Kleinen an, wenn die leitenden Pfarrer auf Angebote zum Thema Demenz aufmerksam machen. Da könne man Schwerpunkte setzen oder zumindest Impulse geben. Als Beispiel: „An einem Sonntag wollen wir in allen Kirchen einen Gottesdienst in einfacher Sprache gestalten oder unsere Anliegen in den Fürbitten ausdrücken“, sagt Ulrich.

Highlights von Mensch.Demenz.Kirche. in vier Workshops

In den vier Workshops am Nachmittag konnten sich die Teilnehmenden über die Highlights des Projekts informieren:

  • Wanderausstellung „Mensch.Demenz.Kirche.“ mit Michaela Renkel vom Bildungswerk Köln. Die Ausstellung ist noch bis April 2021 kostenlos buchbar. Die Ausstellung sollte immer von einem Rahmenprogramm begleitet werden. Das können Theateraufführungen oder Gottesdienste in leichter Sprache sein.
  • Kartenset „Der innere Kern“ mit Dr. Hedwig Lamberty aus der Erwachsenenseelsorge.
  • Pilgerweg für Menschen mit und ohne Demenz zur Domwallfahrt mit Elmar Trapp.
  • Werkstattgespräch „Kunst ist Seelsorge“ im Kunstmuseum KOLUMBA mit Ute Aldenhoff. Die jeweils aktuelle Ausstellung des Kunstmuseums KOLUMBA, das jeweilige seelsorgliche Thema und die Teilnehmenden des Werkstattgespräches treten in einen Dialog, in einen Dreiklang. "In Kunsträumen scheint sich in der Begnung mit Mensch, Kunst und Seelsorge eine gute Möglichkeit zu eröffnen, auch schwierige, angstgeladene Themen ins Wort zu bringen", sagte Aldenhoff. Kunst könne - so scheint es - Reflexionsräume eröffnen, "dem Anderen" urtteilsfrei begnen zu können.
 

 

Impulse zum Umgang mit Demenz bleiben

Stefanie Perkuhn, Engagementförderin in Erkrath und Düsseldorf-Unterbach ist mit ihrem ganzen Team dabei. Von „Mensch.Demenz.Kirche.“ sei nichts in ihrer Gemeinde angekommen, was Perkuhn aber nicht daran hindert, sich dem Thema Demenz tiefer und spiritueller zu widmen. „Wir werden wieder mit dem Kartenset ‚Der innere Kern‘ arbeiten und überlegen, in der kommenden Fastenzeit die Wanderausstellung zu buchen“, überlegt Perkuhn. Ihr sei es ganz wichtig, das Thema Demenz langfristig in den Blick zu nehmen. Nur so könne man einen nachhaltigen Bewusstseinswandel erreichen.

Teilnehmer geben durchweg positives Feedback

Zum Schluss bedanken sich die Teilnehmenden bei Ute Aldenhoff und ihrem Team. Einen etwas anderen musikalischen Schlusspunkt setzt Markus Roentgen: „Eine Teilnehmerin hat für uns ein Lied angestimmt, das wir bestimmt alle kennen.“ Von der Trompete begleitet, singen und schunkeln alle Teilnehmenden gemeinsam: „Du, du, liegst mir am Herzen / du, du, liegst mir im Sinn. / Du, du, machst mir viel Schmerzen, / weißt nicht, wie gut ich dir bin. / Du, du, du, du weißt nicht, wie gut ich dir bin.“ Am Ende des Tages nimmt jeder nicht nur seinen Vorratsbeutel, den sogenannten Doggybag, sondern sicher auch viele Ideen für die zukünftige Arbeit nach Hause.

„Mensch.Demenz.Kirche.“ endet