Leitbild

„… davon ich sing’n und sagen will“, so endet die erste Strophe des schönen alten Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, und sie beschreibt das, was die grundlegende Motivation all unsres Tuns ist: Die Begeisterung von der „guten Mär“, der frohen Botschaft, die Funken schlägt und ausstrahlt, so daß man von dieser Botschaft singen und sagen will und muß.

Den Menschen in unseren Gemeinden die großen Werke der europäischen Tradition der Kirchenmusik nicht nur zugänglich zu machen, sondern mehr noch, ihnen Gelegenheit zu geben, in diese einzustimmen und so Menschen aller Generationen und ohne Ansehen ihrer gesellschaftlichen Stellung „Stimme zu verleihen“, mit der sie dem, was sie im Innersten bewegt, einen zeitgemäßen und ihnen angemessenen Ausdruck und „Töne“ geben können, ist uns Auftrag, Berufung und Verpflichtung.

In einer Zeit, in der es schon als „kulturelle Anomalie“ bezeichnet worden ist, zu singen, und in der es immer seltener wird, daß Kinder mit ihrer Familie, im Kindergarten oder in der Schule singen, nehmen wir auch unseren Bildungsauftrag ernst und ermöglichen Kindern und Jugendlichen einen unbeschwerten Zugang zum Singen und zur Musik. Wir ermutigen Menschen jeden Alters, sich ohne Scheu auf die Unmittelbarkeit einer musikalischen Gefühlsäußerung wieder neu einzulassen und die Freude zu erfahren, die das gemeinsame Musizieren erleben läßt.

Vom altehrwürdigen gregorianischen Choral des frühen Mittelalters über die großen Oratorien und Meßvertonungen bedeutender Komponisten vergangener Epochen bis hin zu zeitgenössischer Musik, Gospels, Spirituals und Neuen Geistlichen Liedern findet eine breite stilistische Vielfalt in unseren Kirchen Raum, die jedem die Möglichkeit zur Einkehr und, sollten wir auch hierfür Ihre Begeisterung geweckt haben, zum Einstimmen bieten sollen. Die großen Orgelwerke der bedeutendsten Meister der Musikgeschichte, die in unseren Kirchen ebenso gepflegt werden wie die Kunst der Improvisation, sorgen für festlichen Glanz ebenso wie für Ruhepunkte im Rahmen von Gottesdiensten und Konzerten. Hierbei haben Sie die Gelegenheit, einige der bedeutendsten und interessantesten Instrumente unserer Region kennenzulernen.

Kirchenmusik ist dabei weit mehr als eine nette Auflockerung des liturgischen Ablaufs oder ein verzichtbarer Schmuck, sie ist vielmehr ein integrierender und integraler Bestandteil jedweder Liturgie. Ihre ureigensten Aufgaben sind die Verkündigung, ebenso und vielleicht unmittelbarer wie durch das vom Priester gesprochene Wort, sowie die Beteiligung der Gläubigen an der Feier ihres Glaubens. Ja, so sagt die im Rahmen des II. Vatikanischen Konzils verabschiedete Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“, ein feierlicher Gottesdienst wird erst dadurch zu einem wahrhaft feierlichen Gottesdienst, daß in ihm gesungen wird. Diese würdige Gestaltung der vielen unterschiedlichen Gottesdienstformen in unserer Pfarreiengemeinschaft ist die wichtigste Säule unserer Kirchenmusik. Doch auch die zahlreichen, unterschiedlichen geistlichen Konzerte und Konzertreihen in unseren Pfarrkirchen, von denen viele ausdrücklich auf die jeweiligen kirchlichen Feiertage Bezug nehmen und die oft thematisch gestaltet sind, sind nicht künstlerischer Selbstzweck, sondern verstehen sich gleichfalls als lebendige Verkündigung dessen, was uns erst singen läßt.

Dabei geht die Dimension unseres Tuns noch weit über das vielbeschworene „Wer singt, betet doppelt“ des Augustinus hinaus: Bricht doch mit einem zentralen Teil des Gottesdienstes, dem feierlichen „Sanctus“, die himmlische Wirklichkeit unmittelbar in unsere Welt ein. Allein dadurch, daß wir einstimmen in diesen Lobgesang der Engel, ist der Himmel für uns einen Augenblick offen – durch das gesungene Lob Gottes. Diese wunderbare Aufgabe der Kirchenmusik zu erfüllen, beflügelt uns. Denn so heißt es in einem weiteren Lied des Gotteslobes:

„Lobsingt und danket allesamt; Gott loben, das ist unser Amt !“