Kommt, bringet Ehre, Dank und Ruhm

Mit dem Monatslied für den Mai möchten wir den Dreifaltigkeitssonntag am Sonntag nach dem Pfingstfest in den Blick nehmen. Zu ihm findet sich im neuen Gotteslob das Lied GL 784 „Kommt, bringet Ehre, Dank und Ruhm“, in dem der dreifaltige Gott im Hinblick auf seine Taten in der Heilsgeschichte gepriesen wird.

Der Text des Liedes geht auf den deutschstämmigen Methodistenprediger Wilhelm Nast, den Gründer der deutschen Methodistenkirche Amerikas, oder zumindest sein unmittelbares Umfeld zurück. Nast wurde am 15.6.1807 in Stuttgart geboren, studierte an der Universität von Tübingen und wirkte dann zunächst als Journalist. Er emigrierte 1828 in die Vereinigten Staaten und lehrte in der Folgezeit an der Militärakademie sowie dem Kenyon College in Ohio. Nachdem er 1835 der Methodistischen Kirche beigetreten war, wurde er 1837 beauftragt, eine deutsche Mission in Cincinnati zu errichten. Hierzu gab er 1839 gemeinsam mit Peter Schmucker und Adam Miller eine „Sammlung von Geistlichen Liedern für kirchlichen und häuslichen Gottesdienst“ heraus, der der Text des vorliegenden Liedes entnommen ist. Der überaus begeisterte Gemeindegesang war bestimmend für die Bewegung, und die methodistische Theologie und Pastoral wurzelte in ihr und verbreitete sich dadurch stark. Nast war in seinem Bemühen so erfolgreich, dass innerhalb von 20 Jahren deutsche methodistische Gemeinden in fast jedem Staat der USA und dann auch in Europa entstanden. Nast starb in Cincinnati am 16.5.1899.

Die Melodie geht zurück auf den bedeutenden englischen Komponisten Thomas Tallis zurück, der im England der Tudor-Epoche im 16 Jahrhundert wirkte und weithin als der wohl bedeutendste frühe Komponist englischer Kirchenmusik neben seinem Schüler William Byrd gilt. Er wirkte an der Augustiner-Abtei Waltham, der Canterbury Cathedral und dann, vierzig Jahre lang, hochgeehrt an der Chapel Royal, der königlichen Kapelle im St. James’ Palast in London. Sein berühmtestes Werk ist die monumentale Motette „Spem in alium“ zu 40 Stimmen in acht 5stimmigen Chören a capella, mit der er nahezu alle Kompositionen vorher übertraf. Sein berühmter Kanon, der für das vorliegende Lied verwendet wird, ist eine von neun Melodien, die Tallis zum Psalter des Erzbischofs Matthew Parker beisteuerte, wie sie im Konzert der „Canards chantants“ aus York in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Spich 2012 zu hören waren. Die um 1561 entstandene Melodie ist kunstvoll so angelegt, dass sie als Kanon zu 2, 4 oder 8 Stimmen, also mit einem Einsatz in jedem Takt, gesungen werden kann und sich so ein immer mächtigerer Lobgesang auf die „noch herrlichere, heilige Dreieinigkeit“ entspinnt.

Das englische Original, gesungen von Mitgliedern der Kings College Chapel Cambridge, kann man hier hören: