Du teilst es aus mit Deinen Händen

Als Monatslied für die beginnende Fastenzeit möchten wir Ihnen mit „Du teilst es aus mit Deinen Händen“ GGB 209 eine weitere Komposition Kurt Grahls vorstellen, der hier einen Text des bedeutenden Theologen Lothar Zenettis vertonte.

Die schlichten Worte werden im Sprachduktus von der Musik getragen. Dabei bringt gleich der Beginn den für die Texte Zenettis so wichtigen Perspektivwechsel: Nicht wir sind in der Feier der Eucharistie die Handelnden, sondern Gott selbst; wir erinnern uns nicht an ein Geschehen vor zweitausend Jahren, sondern das Brot, in dem wir „Leben finden“, ist „immer neu“. Im Mittelpunkt steht Jesus: was er sagt und was er tut. Diesen beiden Aspekten entspricht der Aufbau dieses Liedes: Die rahmenden Strophen beschreiben mit den Worten „Du teilst es aus“ und „Du schenkst uns ein“ beschreiben Jesu Handeln, auch heute, „real präsent“ im Geschehen des Gottesdienstes. In den mittleren Strophen „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“ vergegenwärtigen wir uns der Einsetzungsworte der Eucharistie beim letzten Abendmahl. Damit greift das Lied eine theologische Erkenntnis auf: Jesu Worte und sein Handeln für die anderen bilden eine unverbrüchliche Einheit, und wer davon singt, was Jesus sagt und was er tut, der erfährt, wer er ist.

Die Formulierung „das immer neue Brot“ steckt einen weiten Hori¬zont, zunächst in Richtung des Volkes Israel und seine Rettung durch das Manna in der Wüste, zugleich aber in unsere Zeit ab, weil wir am Geschehen des Abendmahls, das im Zentrum steht, in jeder Eucharistiefeier teilhaben. Das tiefe Bild des „Blutes der Trauben“ verdeutlicht beeindruckend die stattfindende Wandlung. Jesu Aufforderung „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ klingt im „damit ihr immer an mich denkt“ der zweiten Strophe nach. Weitere wichtige Bibelstellen klingen an, so etwa das letzte Wort Jesu am Kreuz „es ist vollbracht“ und Jesu Verheißung, dass seine Jünger im Glauben eins sein würden (Joh 17,11), auch wenn die damit verbundene Bitte „und lass uns deine Zeugen sein“ immer noch durch die konfessionelle Spaltung verdunkelt ist. Somit führt dieses Lied in sehr dichter Weise in die Mysterien der Karwoche ein.