Herr, Dich loben die Geschöpfe

Was wir als auf das Erntedankfest hinführendes Monatslied im September kennenlernen werden, ist zweifellos eines der berühmtesten Gebete des Christentums. Mit diesem Sonnengesang hatte Franz von Assisi im Jahr 1225 in seinen letzten Lebensjahren die poetische Quintessenz seines Glaubens und Lebens eindrucksvoll – ursprünglich in umbrischem Dialekt – zusammengefaßt. Der Horizont des vielstimmigen Gotteslobes konnte dabei für ihn nicht weit genug gefasst werden: von den Gestirnen zu den sterblichen Menschen, von den Elementen der Natur hin zu „Raum und Zeit“. Der Sonnengesang erinnert so an die von Gott gewollte Einheit seiner guten Schöpfung, die vom Auftrag zu ihrer Bewahrung niemals zu trennen ist. Die kraftvolle Melodie unterstützt die Botschaft, deren Fazit am Ende jeder Strophe refrainartig erklingt: „Alle Schöpfung lobt den Herrn.“ Die deutsche Übertragung des Textes stammt von dem Autor, Lehrer und Übersetzer Kurt Rose (1908–1999). Die in anglikanischen Gottesdiensten beliebte Melodie weckt sofort die Assoziation der erhabenen Feierlichkeit der Tradition der hier gepflegten Kathedralmusik; sie stammt allerdings ursprünglich aus einer Sammlung des deutschen Musikwissenschaftlers Friedrich Filitz. Dieser wurde 1804 in der thüringischen, mit Johann Sebastian Bach verbundenen Stadt Arnstadt geboren und wirkte in Berlin und München. Er sammelte nicht nur Lieder, sondern trat auch mit Schriften zur Erneuerung der Kirchenmusik aus dem Geist der Tradition hervor. 1876 verstarb er ganz in unserer Nähe in Bonn. Die vorliegende Melodie stammt aus seinem 1847 erschienenen Choralbuch. Eine Aufnahme des Liedes mit einer melodisch leicht abgewandelten Melodie kann einen ersten Eindruck des festlichen Chorals geben: