John Dowland und das elisabethanische Zeitalter

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Die Regierungszeit Elisabeth I. von 1558 bis 1603 wird das „Goldene Zeitalter“ genannt; ein Zeitalter der Blüte für England sowohl in wirtschaftlicher und politischer Sicht als auch im Bezug auf die Kunst und die innere Freiheit. Elisabeth, die ihren Untertanen nicht „in die Herzen schauen“ wollte, beendete endlich die religiösen Verfolgungen, die unter ihrer Vorgängerin, ihrer Halbschwester Maria I. (1516-1558) einen Höhepunkt erreicht hatten.

Dowland

Einer der legendärsten Musiker dieser Zeit ist John Dowland (1563-1626), dessen 450. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern.

Über Dowlands Kindheit ist nichts bekannt. Da jedoch Dowland selber nie darüber berichtet hat, vermutet man, dass er eine Abstammung aus einer einfachen Klasse, evtl. aus einer Handwerkerfamilie verschweigen wollte, als er bereits in höheren Kreisen am Hofe verkehrte. Die ersten Aufzeichnungen über Dowland finden sich erst im Jahr 1580, als er im Alter von 17 Jahren als ’servant‘ nach Paris zu Sir Henry Cobham, dem Botschafter des Königs von Frankreich, reist, um die „geistreiche Profession der Musik“ zu erlernen. Hier konvertiert Dowland zum Katholizismus, was sich, wie Dowland später selbst konstatierte, als folgenreicher Fehler erwies.

1583 oder 1584 kehrte Dowland wieder nach England zurück, wo er zwei Jahre später seine Frau heiratete, über die nichts weiter bekannt ist. Im selben Jahr (1586) wurde vermutlich auch sein Sohn Robert geboren. Über die sicher vorhandenen weiteren Kinder Dowlands ist ebenfalls nichts bekannt.

Am 8. Juli 1588 erhielt Dowland zusammen mit Thomas Morley den Grad des Baccalaureus Musicus an der Christ Church Universität Oxford; wenig später zudem noch denselben Titel an der Universität Cambridge. Dowland ist damit der einzige, dem dieser Titel bis dato an beiden Universitäten vergeben worden ist. Der erste öffentliche Auftritt Dowlands fand am 17. November 1590 anlässlich der „Thanksgiving“-Feier am Hofe der Königin statt.

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Der Lautenspieler (um 1595)
Michelangelo Merisi da Caravaggio: Der Lautenspieler (um 1595)
Nach dem Tode John Johnsons, einem der Hoflautenisten der Königin, bewarb sich Dowland 1594 vergeblich um den vakanten Posten. Der Grund für die Ablehnung war mit großer Sicherheit in seiner katholische Konfessionszugehörigkeit zu suchen. Daraufhin beschloss er, sein Glück im Ausland zu suchen. Er entschloss sich, den berühmten Luca Marenzio in Rom kennenzulernen. Zuvor nahm er jedoch für kurze Zeit einen Posten am Hofe in Wolfenbüttel bei dem dort regierenden Herzog Heinrich Julius an, um sich danach in den Dienst des Landgrafen Moritz von Hessen zu stellen. Im Jahr 1595 nahm Dowland dann die lange und beschwerliche Reise per Pferdewagen über die Alpen nach Italien in Angriff. Seine erste Station war Venedig. Weiterhin besuchte er Padua, Genua, Ferrara und Florenz, wo er mit Giulio Caccini zusammentraf. Dieser gilt als Begründer der Monodie, des harmonisch begleiteten, ausdrucksvollen Sologesanges, den er selbst ebenfalls mit Begleitung der Laute oder Theorbe ausführte, sowie als einer der geistigen Väter der Oper. Nachdem jedoch einige im Exil lebende englische Katholiken versuchten John Dowland für ein Attentat gegen Elisabeth I. zu gewinnen, verwarf Dowland den Plan, Luca Marenzio in Rom zu besuchen und verließ bestürzt Italien. Er kehrte zunächst wieder zum Hof des Landgrafen von Hessen zurück, wo er dann bis zum Ende des Jahres 1596 verweilte.

Dowland_Second Book1597 erschien dann Dowlands First Booke of Songs, das einige seiner bekanntesten Lieder vereinigt, und im Jahr darauf erhielt er die hoch bezahlten und hoch angesehenen Stellung des Hoflautenisten Königs Christian IV. von Dänemark. Mit einem Lohn von 500 Talern pro Jahr wird John Dowland dadurch zu einem der höchstbezahltesten Musiker der Zeit. Zwar galt Christian IV. als musikbegeisterter und tüchtiger Herrscher, der Dänemark und auch der Stadt Kopenhagen zu einem großen Aufschwung verhalf; seine ausschweifenden Alkoholexzesse schienen aber nicht nur Dowland Unbehagen zu bereiten.

Während seiner Jahre in Dänemark verfaßte er sein „Second Booke of Songs“, dessen Manuskript er mit dem 01. Juni 1600 datiert, sowie sein „Third and Last Booke of Songs“, dessen Manuskript am 21. Februar 1603 in England eintrifft. Die in ihnen enthaltenen Lieder wie „Time stands still with gazing on her face“ oder „Say love if euer thou didst finde“ sind Komplimente an die Königin Englands und zeugen von dem immer noch gehegten Wunsch Dowlands, sich als Lautenist an ihrem Hof zu empfehlen.

Kurz darauf, am 24. März, starb jedoch Elisabeth, so dass Dowlands Wunsch, sich in ihren Dienst zu stellen, endgültig unerfüllt bleiben muss. Sein Heimatland wurde jedoch nicht nur durch den Tod der Elisabeths erschüttert, sondern ebenso durch die Pest, die tausende Todesopfer forderte. Im Jahr 1603 sollte ein Sechstel der gesamten Bevölkerung Englands an der Pest sterben.

Dowland vollendete in diesen Tagen seine Sammlung „Lachrimae or Seven Teares“, das er der neuen englischen Königin Königin Anne, der Schwester Christian IV., widmete. Jedoch auch Dowlands angesehene Stellung am dänischen Hof wurde von zunehmend ernsteren Problemen überschattet. Die Gehaltszahlungen, die in den Jahren zuvor sogar schon im Voraus bezahlt wurden, gingen mehr und mehr schleppend und lückenhaft ein. Vermutlich war Christian IV. aufgrund mehrerer langer Auslandsaufenthalte Dowlands verärgert und strafte ihn mit dieser Maßnahme. 1606 wurde Dowland schließlich vorzeitig gekündigt und kehrte wieder nach England zurück.

Doch hier fand er keineswegs eine ähnlich glänzende Stellung vor, wie es die in Kopenhagen gewesen war. Die ersten Jahre des 17. Jahrhunderts hatten viele musikalische Veränderungen mit sich gebracht, die auch Dowland zu spüren bekam. Dowland beklagte sich in den Jahren ab 1605 wiederholt über die „ungelernten“ Musiker, aber auch über die jungen Professoren, die seine Musik als veraltet ansahen. Besonders ein langjähriger Streit mit Tobias Hume, der die Viola da Gamba als das besser geeignete Musikinstrument für das Zusammenspiel mit Gesangsstimmen ansah, wird dieser Wandel deutlich.

Auch im Jahr 1612, als Dowland mit „A Pilgrimes Solace“ sein letztes Werk veröffentlichte, ebbte der Streit mit Hume nicht ab. Obwohl der nationale als auch internationale Erfolg Dowlands als zweifellos bester Lautenkomponist seiner Zeit unbestreitbar blieb, scheint sich der Ärger über den versagten Posten am Englischen Hof bei Dowland als Trauma weiter durch sein Leben zu ziehen. Die Unzufriedenheit und Bitterkeit überwog bei dem sensiblen Meister, der darunter litt, dass deutlich unbegabtere Lautenisten den von ihm so sehr ersehnten Posten innehatten.

Das letzte, bereits erwähnte Werk Dowlands (A Pilgrimes Solace) war unzweifelhaft ein Zeichen für die schwindende Kreativität Dowlands. Obschon alle Stücke von großer Schönheit sind, sind viele nicht neu, sondern teilweise schon zwanzig Jahre alt. Obwohl Dowland im selben Jahr (1612) letztendlich doch noch die ersehnte Anstellung am Englischen Hofe bekam, ist es fraglich, ob Dowland damit seinen Frieden fand. Die letzten 14 Jahre bis zu seinem Tod verliefen jedenfalls sehr ruhig – Dowland wurde kaum noch erwähnt. Der letzte öffentliche Eintrag zu seinem Wirken datiert vom 1. Mai 1625, als Dowland auf der Beerdigung von James I. spielte. John Dowland starb am 26. April 1626 und wurde in der Kirche St. Anne im Londoner Stadtteil Blackfriars beerdigt.

Yamato Hasumi
Yamato Hasumi
Seine Solowerke für die Laute zählen zu den anspruchsvollsten und ausgereiftesten Werken für dieses Instrument; die unmittelbar berührenden Lieder gehören zur schönsten Musik dieses Jahrhunderts und aller Zeiten. Sie sind geprägt von tiefer Melancholie, dem Lebensgefühl des ausgehenden elsiabethanischen Zeitalters. So sind Sehnsucht, der Schmerz, häufig der Liebesschmerz, immer wieder zentrale Themen seiner Lieder. Eine seiner Kompositionen nennt er in einem Wortspiel „Semper Dowland, Semper Dolens“ – „Immer Dowland, immer leidend“. Dowlands ungeheure Meisterschaft zeigt sich der in der mit traumhafter Sicherheit geformten Schönheit seiner Melodien und in der Ausdruckskraft und seinerzeit unerhörten Farbigkeit und Fülle seiner Harmonien. Durch die Jahrhunderte haben seine Schöpfungen nichts von ihrer Ausstrahlung eingebüßt, die selbst Musiker wie Sting dazu veranlaßte, sich mit dieser so alten und doch so fesselnden Musik zu beschäftigten.

Die beiden Konzerte am 22. und 23. November, jeweils um 20h in der Pfarrkirche St. Hippolytus widmen sich den Liedern Dowlands in ihren unterschiedlichen Fassungen für Solostimme mit Begleitung bzw. für vier Stimmen.

Nicole Ferrein
Nicole Ferrein

Am Freitag, dem 22.11. singt die Sopranistin Nicole Ferrein, begleitet von Yamato Hasumi (Laute) und Michael Veltman (Orgel), eine Auswahl der schönsten Lieder Dowlands in ihren Solofassungen.

Weitere Lieder Dowlands in ihren vierstimmigen Fassungen erklingen dann am Samstag, dem 23.11., vorgetragen von der Capella Vocale an St. Hippolytus unter Leitung von Michael Veltman.

Beide Konzerte nehmen aber auch andere Komponisten des elisabethanischen Zeitalters, wie William Byrd, Thomas Morley und Robert White, mit in ihren Blick.

Freitag, 22. November 2013, 20 Uhr
Werke von John Dowland, Thomas Morley, John und Robert Johnson
Nicole Ferrein, Sopran
Yamato Hasumi, Laute
Michael Veltman, Orgel

Samstag, 23. November 2013, 20h
Werke von John Dowland, William Byrd und Robert Wihte
Capella Vocale an St. Hippolytus
Leitung: Michael Veltman

Einritt: 10€, Kinder 2€

Zu beiden Konzerten laden wir sehr herzlich ein.