Troisdorf BAROCK 2012

Das von Kantor Michael Veltman und der evangelischen Kreiskantorin Brigitte Rauscher gegründete Festival TroisdorfBAROCK, ein Festival barocker Kammermusik, fand im Jahr 2012 bereits zum fünften Mal statt.

bach Telemann In diesem Jahr stand das Festival, das am Wochenende vom
23. bis zum 24. Juni 2012 stattfand, unter dem Titel
Georg Philipp Telemann – Johann Sebastian Bach:
Eine musikalische Freundschaft
.

Es wurde, wie auch in den Vorjahren, als ökumenisches Projekt der evangelischen Johanneskirche sowie der katholischen Pfarreiengemeinschaft Troisdorf veranstaltet.

Georg Philipp Telemann erlangte als Komponist schon zu Lebzeiten größte Anerkennung und Verbreitung. Als Städtischer Musikdirektor in Frankfurt a. M. und Director Musices der Stadt Hamburg hatte er nacheinander zwei hochbedeutende musikalische Ämter inne, und der Musikkritiker Jakob Adlung schrieb 1758, es gebe kaum eine deutsche Kirche, in der Telemanns Kantaten nicht aufgeführt würden. Doch hatte Telemann längst auch internationale Bedeutung erlangt.

Die europaweite Reputation Telemanns läßt sich an den Zeilen des bedeutenden Musikwissenschaftlers Johann Mattheson erkennen; „Ein Lulli wird gerühmt; Corelli läßt sich loben; Nur Telemann allein ist übers Lob erhoben“, wie dieser 1740 in seiner „Grundlage einer Ehrenpforte“, in der Telemann neben anderen prominenten Musikern der Zeit mit einer ausführlichen Lebensbeschreibung aus eigener Feder vertreten ist, schrieb. In der Tat: um Anerkennung brauchte sich der hier in epigrammatischer Zuspitzung als Vollender der Musik Frankreichs und Italiens, Lullys und Corellis, gepriesene Komponist in jenen Jahren weniger denn je zu sorgen. Seine Führungsrolle im nord- und mitteldeutschen Musikleben war unumstritten, als Komponist stand er auf der Höhe des Erfolges. Längst war sein Ruhm über die Landesgrenzen hinaus gedrungen; seine Druckwerke wurden in ganz Europa subskribiert, und Telemann wurde in verschiedene Residenzstädte eingeladen.

Selbst Johann Sebastian Bach, der heute als der überragendste Komponist des ganzen Zeitalters galt, wurde seinerzeit von Telemann in den Schatten gestellt. So sprach ein Leipziger Ratsherr nach der Absage Telemanns und bezüglich der Kandidatur Bachs für das Amt des Thomaskantors aus, was vielleicht auch noch andere dachten: „Da man nun die Besten nicht bekommen könne, so müße man mittlere nehmen.“

Telemann selbst hat der Kirchenmusik in seinem Schaffen eine zentrale Rolle zugewiesen. „Dieses aber weiß [ich] wol / daß ich allemahl die Kirchen-Music am meisten werth geschätzet / am meisten in anderen Autoribus ihrentwegen geforschet / und auch das meiste darinnen ausgearbeitet habe“, schreibt er in seiner Autobiographie von 1718 und erwähnt dann das bis dahin Geschaffene: Neben einer offenbar beträchtlichen Anzahl „Communion- und Nachmittags-Stücke / Missen / Psalmen / Arietten u.s.w.“ sind es fünf vollständige und zwei nahezu fertige Kantatenjahrgänge – insgesamt müssen es damals bereits mehr als 500 Kirchenkompositionen gewesen sein; und wohl mehr als 1000 sind in den fast fünfzig Schaffensjahren, die Telemann noch beschieden sein sollten, hinzugekommen. Vieles davon ist untergegangen; doch auch das Erhaltene ist bislang kaum zu überblicken. Zwei dieser Kantaten werden während des 2. Konzertes am 24.6., nach den kammermusikalischen Werken des 1. Konzertes am 23., zur Aufführung gelangen.

Johann Sebastian Bach, seinerzeit viel mehr für sein hochvirtuoses Orgel- und Clavierspiel denn für seine Kompositionen berühmt, schätzte Telemanns Musik und fertigte Abschriften mehrerer Kantaten Telemanns an. Seine Freundschaft zu Telemann aber fand ihren besonderen Ausdruck darin, dass Bachs zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel Telemanns Patenkind wurde – und viele Jahre später, nach Telemanns Tod, dessen unmittelbarer Nachfolger in Hamburg.

Während des Festivals TroisdorfBAROCK 2012 waren Werke Bachs und Telemanns in unmittelbarem Vergleich, in ihrer jeweiligen Eigenart gegenübergestellt, zu hören. Ein besonderer Höhepunkt war die Aufführung von Telemanns Kantate „Die Kinder des Höchsten“ zum Feste „Johannis des Täufers“, die eben am 24. Juni, dem Johannestag, in der Evangelischen Johanneskirche erklang.

1. Konzert

Samstag, 23.6., 17 Uhr
St. Hippolytus

Georg Ph. Telemann: Quartette und Solowerke für Violine
Joh. Seb. Bach / Carl Ph. Emanuel Bach: Triosonaten

2. Konzert

Sonntag, 24.6., 17 Uhr
Evangelische Johanneskirche

Georg Ph. Telemann: Kantaten „Deine Toten werden leben“ und „Die Kinder des Höchsten“ (zum Feste Johannis des Täufers)
Joh. Seb. Bach: Solowerke für Violine und Viola

An diesen Konzerten wirkten die folgenden Musiker mit:

Nicole Ferrein, Sopran

Gesa Kordes, Barockvioline (Tuscaloosa, Alabama)

Christiane Veltman, Barockvioline/Barockviola

Don Fader, Blockflöte (Tuscaloosa, Alabama)

Kantorin Brigitte Rauscher & Kantor Michael Veltman