Konzerte zum Geburtstag Franz Liszts und Jehan Alains

Franz Liszt und Jehan Alain – diesen zwei Komponisten, die zum Repertoire der großen Kompositionen für Orgel bedeutende Werke beigesteuert haben, beide in ihrer Zeit gleichermaßen bahnbrechend, gratulieren wir in diesem Jahr zu einem ganz runden Geburtstag.

liszt Franz Liszt, der wohl größte Klaviervirtuose seiner Zeit und bis auf den heutigen Tag Inbegriff des genialischen Improvisators, Sachwalter des „titanischen“ Erbes Beethovens ebenso wie das Haupt der progressiven, sogenannten „neudeutschen Schule“, von dem eine Clara Schumann bekannte, sie fühle sich „wie eine Schülerin, wenn sie ihn am Pianoforte höre“, während ihr Mann Robert den Virtuosen als „wahren Hohenpriester der Kunst“ feierte und Chopin sich wünschte, ihm „die Art abstehlen [zu] können, mit der er meine Etuden spielt“, wandte sich im Alter, nach engen Kontakten zu den Reformern der katholischen Kirchenmusik, verstärkt der geistlichen Musik zu. Nach verschiedensten Lebensbrüchen empfing der innerlich zerrissene Künstler in Rom, wo er in verschiedenen Klöstern und auch im Vatikan lebte, 1865 die niederen Weihen.

Mehr und mehr gewann so die geistliche Musik im Schaffen Liszts an Bedeutung, und nach intensiver Beschäftigung auch mit den Orgelwerken Johann Sebastian Bachs wandte er sich auch diesem Instrument zu, um einige der gewaltigsten Kompositionen für es zu schaffen. In einem Bericht über das von seinem Schüler Alexander Winterberger mit Liszt’schen Kompositionen bestrittene Einweihungskonzert der Merseburger Domorgel wurde der unerhört und wegweisend moderne Charakter seiner Orgelkompositionen und des von ihm geformten Orgelstils hervorgehoben: „Liszt nimmt jetzt zur Orgel eine ähnliche Stellung ein, wie früher zum Pianoforte. Wie er früher das Pianoforte zu behandeln vermochte, einzig in seiner Art, so weiß er jetzt auf der Orgel den ganzen Glanz und die ganze Pracht des Instrumentes zur Darstellung zu bringen. Ich muß bekennen, daß ich überrascht war durch Liszts Composition, indem sich mir der Fortschritt nach einer bis jetzt noch nicht zur Behandlung gekommenen Seite hin offenbarte und Blicke in eine zukünftige Entwicklung der Orgelmusik sich darboten.“

Als Jehan Alain am 20. Juni 1940 in einem Gefecht bei Saumur nur 2 Tage vor der Unterzeichnung des Waffenstillstandes von Compiègne fiel, verlor die französische Musik eine ihrer größten Begabungen der jungen Generation. Die Komponisten seiner Generation betrauerten den von ihnen zutiefst verehrten Alain als denjenigen von ihnen, der sie alle an Begabung weit überragte. Zum Andenken an seinen gefallenen Freund komponierte Maurice Duruflé sein „Prélude et Fugue sur le nom d´Alain“, das dessen Namen mittels einer ein Zahlenalphabet verwendenden Chiffre in motivisches Material verwandelt; Jean Langlais erinnerte seinerseits mit dem „Chant héroïque“ aus seinen „Neuf pièces“ an Jehan Alain.

Alains eigene Werke wurden ebenso durch die musikalische Sprache Claude Debussys und Olivier Messiaens wie auch seine Affinität zu fernöstlicher Musik, Tanz und Philosophie sowie die Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts und den auch in Frankreich immer mehr bekannt werdenden Jazz beeinflußt. Aus einer Musikerfamilie stammend, hatte Alain von 1927 bis 1939 am Conservatoire National Superieur in Paris studiert, wo er erste Preise in Harmonielehre, Fuge, Kontrapunkt, Orgel und Improvisation erhielt. Zu seinen Lehrern zählten bedeutende Meister wie Paul Dukas und Marcel Dupré.

Das Werkverzeichnis Alains umfasst mehr als 140 Kompositionen in nahezu allen Gattungen. Jehans Schwester Marie-Claire wurde später eine weltberühmte Organistin und setzte sich nachdrücklich für das kompositorische Werk ihres Bruders ein.

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Einige der bedeutendsten Werke dieser beiden Jubilare werden in zwei Konzerten durch Kantor Michael Veltman an der großen Rieger-Orgel der Pfarrkirche St. Hippolytus zur Aufführung gebracht werden:

Sonntag, 2. Oktober 2011, 20 Uhr

  • Liszt: Präludium und Fuge über BACH
  • Alain: Trois Dances

Samstag, 26. November 2011, 20 Uhr

  • Liszt: Fantasie und Fuge über „Ad nos, ad salutarem undam“
  • Alain: Deux Fantaisies

Hierzu ergeht eine besonders herzliche Einladung.